Lesen: „Und was machst Du so?“ von Ali Mahlodji

Wer „Und was machst Du so?“ von Ali Mahlodji liest, bekommt nicht nur eine Story, die über seine Videoplattform whatchado, einer Internetseite, auf der in Tausenden Interviews Tausende Berufe präsentiert werden, auch solche wie Lebenskünstler (Joseph Hader) oder Affenflüsterin (Jane Goodall). Kann man albern finden? Vielleicht. Da ich Einblicke in (Berufs)Leben anderer Menschen liebe, finde ich es herrlich.

Man kriegt in dem Buch drei Geschichten: Die Flucht von Ali Mahlodjis Familie aus dem Iran und sein Werdegang als stotternder Schulabbrecher. Alis Zeit als erfolgreicher Angestellter mit und ohne Burnout und eben seine Entscheidung für whatchado und für ein Leben als Unternehmer und Gründer.

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Alis Weg ist nicht geradlinig und nicht einfach, davon erzählt die erste Story. Ali als Neu-Österreicher, ein Kind, das vor lauter Kummer mit dem Stottern anfängt und später seine Matura nicht fertig kriegt.

Ein Loser?

„In meinen Zeiten als Angestellter dachte ich immer, dass Karrierewege linear verlaufen: Ein Mensch sucht sich seinen Job aus und klettert langsam die Karriereleiter rauf, bis er dann hochdekoriert in den Ruhestand geht. Doch über 85 Prozent der Lebensgeschichten, die wir aufgezeichnet haben, sind Zickzack-Werdegänge.“

Ali nimmt halt selten den geraden Weg, er klettert eher. Beim klettern muss man das nutzen, was die Wand vorgibt: Einkerbungen, Ritzen, Vorsprünge. So macht er es auch in seinem Leben – er sieht eine Möglichkeit und nutzt sie. Er kommt zum Ziel, weil er wahnsinnig hartnäckig ist, gute Ideen hat und arbeitet wie ein Ochse. Eine Taktik ist es, Menschen so lange freundlich auf den Zeiger zu gehen, bis sie ja sagen.

So kommt er in der zweiten Story des Buches an sein Studium, Jobs in seinen Traumfirmen und später an ein Interview mit Heinz Fischer, dem österreichischen Bundespräsidenten. Er schickt seiner Assistentin anderthalb Jahre lang jede Woche eine Email. Dann ruft er sie an und bezirzt sie. So lange, bis sie endlich ja sagt.

Um zu verstehen, was whatchado, Alis Firma, ausmacht, muss man seine Geschichte als Underdog kennen. Seine Plattform richtet sich ursprünglich an Jugendliche, die keine Ahnung davon haben, was sie werden sollen. Junge Menschen, den angesichts ihrer Herkunft nicht alle Türen offen stehen oder die sich manches einfach nicht zutrauen.

Richtig packt mich das Buch aber bei der dritten Story. Da geht es um Ali und seine Geschäftspartner als Unternehmer, es geht aber auch um Identität und Werte.

„Wenn jemand zu mir sagt: Du hast fünf Minuten Zeit, Pitch mir deine Idee. Dann sage ich: Weißt du was? Vergiss es! Denn bei uns geht es um mein verdammtes Lebenswerk und darum, etwas in der Gesellschaft zu verändern.“

Ich finde die Durchsetzungskraft, Beharrlichkeit und das Pochen darauf, man selbst zu bleiben, einfach cool.
Whatchado empfehle ich meinen Coachingklient*innen ohnehin seit Jahren schon als Inspirationsquelle und Mutmacher dafür, sich nach einem Job umzusehen, der einem wirklich Freude macht. Jetzt habe ich noch eine Geschichte, die ich dazu erzählen kann, Alis Geschichte.

Und egal, wonach man in dem Buch sucht: ob nach einer Ermutigung dafür, in einem fremden Land mit einer fremden Sprache seinen Weg zu finden. Als Angestellter mit den Aufs und Abs des Arbeitslebens umzugehen oder als Startup-Gründerin den Unternehmenswerten treu zu bleiben. Die Message ist an jeder Stelle die gleiche: Sei, wer du bist! Eier nicht rum. Und: Mach was draus.

Und was machst Du so?: Vom Flüchtling und Schulabbrecher zum internationalen Unternehmer bei Amazon und hier bei der Buchhändlerin Ihres Vertrauens.


 

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