Selbstoptimierung in Zeiten des Virus

Gestern habe ich meine Maske abgeholt. In Sachsen, wo ich wohne, gibt es jetzt die Pflicht, beim Betreten eines Ladengeschäftes etwas vor Mund und Nase zu schieben. Auch ohne Pflicht ist es eine gute Intervention – Masken schützen ja vor allem die anderen Personen (und nicht so sehr eine/n selbst), aber wenn alle welche tragen, macht es schon wieder doppelt so viel Sinn.

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Ich habe es auch schon geschafft, damit einkaufen zu gehen und muss ehrlich sagen, dass ich mit Platzangst zu kämpfen hatte. Der Mundschutz macht eindrücklich klar, dass wir nicht über den Berg sind, dass noch ein Weg zu gehen ist und dass wir nicht wissen, wie lang er sein wird. Allen, die sich aber trotzdem „Wie lange noch?“ fragen, empfehle ich dieses Video.

Beim Abendessen mit der Familie haben wir versucht, uns daran zu erinnern, wann es eigentlich losgegangen ist. Im Februar waren wir noch zum Sonne tanken auf Zypern, kurz danach wäre es nicht mehr möglich gewesen. Aber ist es jetzt drei oder vier Wochen her, dass wir das letzte Mal im Restaurant waren, Freunde trafen, Kampfjogger nicht schräg anschauten?

Das Neue wird zum neuen Alten, man gewöhnt sich daran, es erfordert aber permanente  innere Korrektur und die Auseinandersetzung mit Regeln, die es davor so nicht gab. Wie schaffe ich es, mir nicht ständig ins Gesicht zu fassen? Darf ich einen Umschlag anlecken? Auf der anderen Seite löst das Alte sehr schnell Unbehagen aus und man fragt sich beim Filme schauen, wieso die Leute in der neuen Serie so nah beieinander hocken?

Fast egal, mit wem ich gerade spreche, niemand macht mehr als das, was er oder sie nicht schon davor gemacht hat. Die Situation, in der wir uns befinden, das Anpassen und Adaptieren, kostet Kraft. Die Energie geht ins Arbeiten, Kinder betreuen, klar kommen. Mein Bücherregal ist nicht neu geordnet und den geplanten Newsletter habe ich bis jetzt nur angedacht.

Es ist also weit gefehlt mit der Selbstoptimierung. Diejenigen, denen es auch sonst nicht immer gut geht, die mit Depressionen kämpfen oder mit Angstzuständen, wissen besonders gut, dass gut zu sich selbst zu sein besonders gut funktioniert wenn man, naja, einigermaßen ok ist. Spazieren zu gehen, was Vernünftiges zu essen zu kochen, viel zu Schlafen, das sind Dinge, die oft nicht selbstverständlich sind. Auch sie kosten Energie.

Und trotzdem: was uns gut tut, ist (bis aufs Essen) umsonst zu haben. Sich zu bewegen, genug Schlaf zu bekommen und sich mit so viel wie nötig aber so wenig wie möglich Nachrichten zu füttern sind gute Mittel, um mit dem verrückten Drumrum klarzukommen. Und nicht zu vergessen – langsam auch wieder unsere Freunde zu treffen, natürlich einzeln.

Mehr Ressourcen dazu, wie wir unsere psychische Widerstandskraft stärken, gibt es hier, hier und hier.

Bleibt gesund. Bleibt unoptimiert.

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Hier bloggt Magdalena Kaminska von Kaminska Coaching zu Themen der beruflichen Neuorientierung und des beruflichen Alltags. Dazu coache ich auch in meiner Praxis in Leipzig oder online.

 

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